Einleitung

Im Laufe von gut zweieinhalb Jahrzehnten meiner Beschäftigung mit der Homöopathie, in denen so manches Gelernte als nur bedingt praxistauglich empfunden wurde, führte mich meine Suche nach einer verlässlichen Grundlage immer mehr zu den Quellen.

Eine besondere Anziehungskraft übten und üben dabei auf mich die hinterlassenen Arbeiten und Werke Clemens Maria Franz von Bönninghausens (12.3.1785 – 26.1.1864) aus, der, fest auf den Lehren Hahnemanns stehend, diese noch erweiterte und das praktische homöopathische Wissen im Rahmen einer weit ausgedehnten und gesegneten Praxis sehr bedeutend vermehrte. Angesichts seiner Heilerfolge und seines profunden Wissens scheint es mir der Mühe wert zu sein, sich mit seinen Lehren eingehender zu beschäftigen. In dieser Arbeit habe ich daher versucht, in gestraffter und zusammenfassender Form einen Großteil der mir zugänglichen und in über drei Jahrzehnten (auf etwa 1800 Seiten) von ihm veröffentlichten, v.a. die Theorie der Homöopathie betreffenden wichtigen Aussagen möglichst getreu wiederzugeben, zumindest so, wie ich diese verstehen konnte. Durch die vielen (grau hinterlegten) Zitate sollen sowohl prägnant die jeweiligen Inhalte, aber auch v. Bönninghausens Geist vermittelt werden. Meine Kommentare wurden dabei in eckige Klammern gesetzt. Bei den Zitaten wurden vereinzelt – ohne besondere Kennzeichnung – veraltete Worte dem heutigen Sprachgebrauch angepasst, z.B. „Hilfe“ statt „Hülfe“ oder – um den Lesefluss zum verbindenden Text zu gewährleisten – einzelne Worte umgestellt, unter strenger Beachtung der Beibehaltung des genauen Sinns. Die Zitate aus den in Fremdsprachen geschriebenen Arbeiten v. Bönninghausens versuchte ich möglichst korrekt übersetzt wiederzugeben.

Dieses von v. Bönninghausen veröffentlichte Wissen stellt keine sogenannte „Bönninghausen-Methode“ dar, sondern gehört neben dem „Organon“ und den „chronischen Krankheiten“ Hahnemanns zum ausgesprochenen – von Zeitströmungen unabhängigen – Basiswissen für jeden praktisch tätigen Homöopathen und sollte daher, ebenso wie diese, immer wieder einmal rekapituliert und ins Gedächtnis gerufen werden, was durch den zusammenfassenden Charakter dieser Arbeit mit wenig Zeitaufwand möglich ist. Die – vielleicht ungewohnte – Repertorisation mit dem „Therapeutischen Taschenbuch“ dient wie jede andere Repertorisation auch nur der Ermittlung eines Pools von Mitteln, deren Charakteristik der Charakteristik des vorliegenden Krankheitsfalles grundsätzlich möglichst entspricht. Aus diesem Pool von Arzneien wird dann – wie gewohnt – auf Grund der unersetzlichen Materia-Medica-Kenntnis (und ggf. miasmatischen Erwägungen) die ähnlichste ausgewählt.

Durch die Veröffentlichungen v. Bönninghausens zieht sich wie ein roter Faden immer wieder die Betonung der überragenden Wichtigkeit eines gründlichen Materia medica Studiums (unter Verwendung wohlerwogener Quellen). Da v. Bönninghausen, wie bereits bemerkt, fest den Lehren Hahnemanns anhing, waren teilweise Wiederholungen von Aussagen der Werke Hahnemanns unvermeidlich, andererseits werden Hahnemanns Lehren, soweit nicht erwähnt, hier als allgemein bekannt vorausgesetzt. Auf Grund von einschlägigen Erfahrungen erschien es mir sinnvoll, die wichtigsten Inhalte der jeweiligen Abschnitte sofort noch einmal möglichst knapp zu wiederholen. Diese Wiederholungen sind mnemotechnisch günstig, können und sollen aber nicht das Lesen des eigentlichen Buchtextes ersetzen.

In dem vorliegenden, v.a. die Theorie der Homöopathie betreffenden Büchlein ist es weder möglich, noch, gemäß dem oben angegebenen Zweck, gewollt, alle diesbezüglichen Aussagen der Veröffentlichungen und Werke v. Bönninghausens wiederzugeben. Zudem sollten die in diesem Büchlein (das kein Repertorium ist) meist nicht enthaltenen wichtigen konkreten Zuordnungen von Mitteln zu Symptomen und praktischen Hinweise, soweit nicht in die revidierte Fassung des „Therapeutischen Taschenbuches“ eingearbeitet, in den Originalwerken und auch z.B. in „Bönninghausens Repertorium der homöopathischen Arzneimittel“ von R. F. Kastner, Haug-Verlag, nachgeschlagen und berücksichtigt werden.

Die Hervorhebungen bei den Zitaten in fetter Kursivschrift sind von v. Bönninghausen, nicht kursive Hervorhebungen (teilweise auch in KAPITÄLCHEN) stammen von mir.

Das  Zeichen wurde – relativ willkürlich – ausschließlich für angehende Homöopathen zur Kennzeichnung einiger beachtenswerter Punkte gesetzt, daraus darf jedoch nicht auf eine Abwertung der nicht mit dem Zeichen versehenen Inhalte geschlossen werden. Die Quellenangaben sollen dazu dienen, die Zitate in den Arbeiten ggf. wiederzufinden und auf Textstellen, die den dargelegten Sinn belegen oder wahrscheinlich machen, hinzuweisen, sind aber nicht als ausschließliche Fundstellen zu werten. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass sich in den zitierten Werken noch mehr Stellen befinden, die die gemachten Aussagen belegen oder vielleicht sogar noch besser belegen. Für erschöpfende Quellenangaben wäre der Aufwand jedoch ganz unverhältnismäßig hoch. Die bei den Quellenangaben in runden Klammern beigefügten Jahreszahlen dienen der wichtigen ungefähren zeitlichen Orientierung und stellen fast immer das Jahr der Veröffentlichung oder das Datum von Vorworten dar. Die bei den Quellenangaben stehenden, nicht näher bezeichneten Zahlen sind Seitenzahlen und beziehen sich auf die von mir verwendeten Ausgaben und mögen bei anderen Ausgaben abweichen.

 

München, im Juni 2011.                                   Michael Neuperth

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